Leseprobe:

...Dies ist mein Abschiedsbrief.
Ich habe beschlossen, mich von der Welt abzuwenden. Ich gehöre nicht mehr hierher. Ich bin ein Fremder in meinem eigenen Alltag, müde und nutzlos, wie ein Reisender, der seinen Anschlusszug verpasst hat und nun in einer fernen Stadt steht; einer Stadt, deren Gebäude er nicht kennt, deren Straßen ihn in die Irre führen und deren Bewohner ihm nichts bedeuten. Die Musik meines Lebens, zu der ich einst freudig getanzt habe, ist mir jetzt zu laut, zu schrill und zu schnell.
Es gibt kein Zurück mehr. Die Lebenskraft rinnt bereits aus meinen Adern, und schon bald werde ich einschlafen und nie wieder erwachen.
Ich bereue es nicht. Es gibt nichts mehr, was mich an dieses triste Dasein bindet. Es tut es mir nur leid für euch, die ihr bald an meinem Grab stehen werdet und hilflos zusehen müsst, wie mein Sarg im Schlund der Erde versinkt. Ich weiß, ihr werdet eure Köpfe schütteln und leise murmeln, „der arme Alban, er konnte den schweren Verlust nicht verwinden – und dabei machte er doch zunächst den Eindruck, so stark, so gefasst zu sein“, und dann, in der Dunkelheit der Nacht, wird das Gewissen sich an eure Schlafstätten schleichen und jeden einzelnen von euch mit seiner leisen, beißenden Stimme anklagen, wird höhnisch fragen ob euch nicht aufgefallen war, wie matt, lustlos und unaufmerksam ich schon seit langem wirkte, warum ihr euch nicht öfter nach meinem Wohlergehen erkundigt habt, da ihr doch von dem schweren Schicksalsschlag wusstet, der mich getroffen hatte, und weshalb ihr euch so leichtfertig von meinen Antworten, es sei alles in Ordnung und ich hätte lediglich schlecht geschlafen, abspeisen ließet. Und ihr werdet bereuen, euch verfluchen und darunter leiden, einen unwiderruflichen Fehler gemacht zu haben...
Doch euch trifft keine Schuld.
Aus diesem Grund schreibe ich diesen Brief, in dem ich meine Geschichte erzählen möchte: Ihr sollt wissen, dass ihr meinen Tod nicht abwenden konntet. Nie hätte ich zu Lebzeiten sprechen können über das, was geschah. Man hätte mir niemals geglaubt, und ich hätte es nicht ertragen, eure milden Blicke, euer geheucheltes Verständnis, euer herablassendes Mitleid zu sehen, mir eure vermeintlich logischen Erklärungen anzuhören... In dem plumpen Versuch, mir zu helfen, hättet ihr lediglich mein Geheimnis beschmutzt und entweiht, ohne jedoch meiner Qual Linderung verschaffen zu können. Vielleicht werdet ihr auch jetzt denken, alles entspränge nur meinem kranken, verwirrten Geist.
Doch ich schwöre, alles, was ich erzähle, hat sich genau so zugetragen.

Es begann damit, dass ich Senta kennen lernte, Senta mit dem weizengoldenen Haar, den scheuen, dunklen Winteraugen und der strahlend weißen Haut.

                               (...)

 

   Die Kurzgeschichte “Senta” erscheint in dem Horror- und Phantastik-Sammelband “Pandaimonion VI - Tod

 ~ ”Pandaimonion VI - Tod ist erschienen im  Wurdack Verlag (www.storyolympiade.de)
 ~  Erscheinungsdatum: Mitte März 2006
 ~ Preis: 8,95 Euro
 ~ ISBN: 3 - 938065 - 17 - 6
 ~ Paperback

 ~ beteiligte AutorInnen:
Wulf Dorn, Birgit Erwin, Thomas Kohlschmidt, Armin Rößler, Andrea Tillmanns, Claudia Hornung, Nadine Muriel, Anja Labussek, Olaf Trint, Andreas Flögel, Heidrun Jänchen, Luzius Lenherr, Thomas Wawerka, Melanie Metzenthin, Ute Walenski, Manfred Lafrentz,  Nils- Arne Münch, Matthäus Krol, Matthias Heyen, Marion Feiler, Bernhard Weibecker, Sabine Y. Wolperth, Marie Andrevsky, Rena Belzner, Michael Hüppner, Volker Ilse, Gerda Mucker- Frimmel und Desire Hoese.

 ~ Bestellen könnt ihr das Pandaimonion direkt bei mir.
Ihr könnt entweder mein
Bestellformular benutzen oder mir eine E-Mail schreiben.
(Zu dem Preis kommt noch das Porto hinzu; in Heidelberg und Mannheim ist der Versand kostenfrei)
Natürlich gibt es auf Wunsch auch handsignierte Werke mit persönlicher Widmung!

 ~ eine Rezension von “ Pandaimonion VI - Tod” findet ihr unter http://www.geocities.com/fanzine_kurier/FK129.html#zine10
 

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