Mürrisch hockt Koala Kuschelkugel in seiner Astgabel und schmollt. Schon den ganzen Tag ist er schlecht gelaunt, ohne dass er eigentlich genau weiß, weshalb. Achtzehn mal ist er den Stamm des Eukalyptusbaums, auf dem er mit seinen Eltern wohnt, herab- und hinaufgeklettert, dreiundzwanzig mal hat er unten auf dem Waldboden einen Purzelbaum geschlagen, und neunundzwanzig Mal hat er ein Stück trockene Rinde in die Luft geworfen und wieder aufgefangen, aber nichts davon hat ihm wirklich Vergnügen bereitet. Zum Schluss hat er das Stück Rinde in den Bach gelegt und zugeschaut, wie die munter plätschernden Wellen es davon wirbelten. Dabei lachte er ein wenig, doch nicht einmal das Lachen machte ihm so viel Spaß wie sonst.
‚Vielleicht wäre alles wieder gut, wenn ich einen Freund hätte,’ denkt Koala Kuschelkugel. ‚Mit einem Freund könnte ich gemeinsam auf Bäume klettern und Purzelbäume schlagen, wir könnten uns ein Rindenstück gegenseitig zuwerfen, und beim Lachen könnten wir einander an den Händen halten und vor Freude herumspringen. Ja, zusammen ist alles einfach viel schöner!’

Und so verlässt Koala Kuschelkugel am nächsten Morgen seinen Baum, um einen Freund zu finden.

Es dauert nicht lange, und er begegnete den Schmetterlingen. Sie fliegen schnell wie der Wind. Ihre Flügel leuchten in allen Farben und haben wunderschöne Muster. Koala Kuschelkugel strahlt: So hübsche Tiere hat er noch nie gesehen.
„Liebe Schmetterlinge, wollt ihr meine Freunde sein?“ ruft er ihnen aufgeregt zu.
Die Schmetterlinge flattern begeistert und jubeln: „Ja, gerne!“
Und so spielt Koala Kuschelkugel mit den Schmetterlingen und hat viel Spaß. Die Schmetterlinge fliegen und wirbeln um ihn herum, während er tanzt und springt und Purzelbäume schlägt, und hui, wie das kitzelt, wenn ein Schmetterling seine großen, flauschigen Ohren streift! Einmal setzt sich ein besonders schöner, bunter Schmetterling sogar auf seine Nase, und Koala Kuschelkugel muss niesen. Als es Abend wird, winkt Koala Kuschelkugel den Schmetterlingen zum Abschied zu: „Bis bald, meine Freunde! Ich freue mich schon darauf, euch wieder zu sehen! Morgen wollen wir erneut zusammen spielen, ja?!“ „Einverstanden, bis morgen also,“ rufen die Schmetterlinge fröhlich zurück.

Am nächsten Morgen ist Koala Kuschelkugel vor lauter Vorfreude schon ganz zappelig beim Frühstück, und kaum hat er seine Portion Eukalyptusblätter aufgegessen, stürmt er den Baum hinunter, um seine neuen Freunde zu treffen. Weit und breit ist jedoch kein einziger Schmetterling zu sehen. Und dabei hatten sie es doch versprochen! Traurig lässt Koala Kuschelkugel die Ohren hängen. Er wartet lange, lange Zeit, aber vergeblich. Einmal sieht er weit in der Ferne tatsächlich ein paar Schmetterlinge vorbeifliegen, aber so sehr Koala Kuschelkugel auch schreit und winkt und von einem Bein aufs andere hüpft, die Schmetterlinge beachtet ihn überhaupt nicht. Da weiß Koala Kuschelkugel, dass er seine Freunde schon wieder verloren hat, und er ist sehr unglücklich.
Ja, die Schmetterlinge sind schön, aber sie vergessen schnell. Wenn jemand böse zu ihnen ist, denken sie schon bald nicht mehr daran, deswegen sind sie immer heiter und gut gelaunt. Aber ebenso rasch vergessen sie auch ihre Freunde wieder...

Niedergedrückt geht Koala Kuschelkugel ein wenig spazieren. Plötzlich hört er jedoch ganz in seiner Nähe Äste rascheln, und irgendwer lacht leise.
„Hallo!“ ruft Koala Kuschelkugel vorsichtig, „Hallo, ist da jemand?“
Zunächst bleibt es still, doch gerade als Koala Kuschelkugel beschließt, dass er sich bloß getäuscht hat und weitergehen will, ertönt das Gelächter erneut, diesmal etwas lauter, und eine fremde Stimme krächzt. „Hier sind wir, hier oben! Ja, direkt über Dir!“
Koala Kuschelkugel schaut hoch, und tatsächlich, genau im Baum über ihm hocken einige große Vögel mit spitzen Schnäbeln, pechschwarzen, munter funkelnden Augen und einer unternehmungslustig gesträubten weißen Federhaube auf dem Kopf.
„Wer seid ihr?“ fragt Koala Kuschelkugel, und die Vögel antworten im Chor: „Wir sind Kookaburras.“ Dann brechen sie in schallendes Gelächter aus, als hätte so eben jemand einen tollen Witz erzählt.
„Guten Tag, liebe Kookaburras“ antwortet Koala Kuschelkugel höflich. „Ich bin Koala Kuschelkugel, und ich bin gerade auf der Suche nach einem Freund.“
„Dann bleib doch bei uns. Wir können alle zusammen Freunde sein,“ schlagen die Kookaburras vor. „Wir Kookaburras haben immer viel Spaß, und unsere Freunde auch. Wir sind stets gut gelaunt und jederzeit zu einem kleinen Schabernack bereit. Den ganzen Tag ziehen wir umher, machen Scherze und erzählen einander lustige Geschichten. Oh, wenn wir gemeinsam etwas unternehmen, kommen wir aus dem Lachen meist gar nicht mehr heraus, so spaßig ist dann alles! Na, was hältst du davon?“
Das klingt wirklich phantastisch! Koala Kuschelkugel kann sein Glück kaum fassen. Nie hätte er gedacht, dass er einmal so witzige, fröhliche Freunde finden würde! Übermütig tollt er umher, und die Kookaburras spielen mit: Sie umkreisen Koala Kuschelkugel munter, erheben sich manchmal hoch in die Luft, um im nächsten Moment rasant nach unten zu sausen und direkt neben Koala Kuschelkugel zu landen, oder sie flattern mit komischen, unbeholfenen Bewegungen herum und tun so, als wüssten sie nicht mehr, wie man richtig fliegt... Koala Kuschelkugel kreischt vor Vergnügen, so drollig sieht das aus. Dann beginnen die Kookaburras jedoch plötzlich, Koala Kuschelkugel zu ärgern. Einer fliegt genau zwischen Koala Kuschelkugels Beinen hindurch, dass Koala Kuschelkugel stolpert, ein anderer zwickt Koala Kuschelkugel in die Nase, und ein dritter pickt mit seinem spitzen Schnabel ganz fest in Koala Kuschelkugels Popo. Nein, das ist kein schönes Spiel mehr!
„Aua, hört auf, das tut weh,“ ruft Koala Kuschelkugel, aber die Kookaburras lachen nur. Jetzt setzt sich sogar ein Kookaburra auf Koala Kuschelkugels Kopf, zerzaust das Fell an seinen empfindlichen Ohren und kichert dabei immerzu: „Guckt mal, unser neuer Freund hat riesengroße Ohren, wie ein Clown. Findet ihr nicht auch, dass das furchtbar albern aussieht?!“
Da wird Koala Kuschelkugel richtig wütend, er schlägt ganz fest nach dem Kookaburra auf seinem Kopf und läuft dann fort, so schnell er kann. Noch aus weiter Ferne hört er immerzu das Lachen der Kookaburras. Koala Kuschelkugel ist entsetzt: Wie kann man nur so gemein sein, einen Freund zu ärgern?! Nein, die Kookaburras sind wirklich keine guten Freunde, denkt er und geht traurig nach Hause.
Die Kookaburras sind nämlich sehr unbedacht: Sie sind immer fidel und heiter, deswegen haben sie viel Spaß, aber in ihrer Fröhlichkeit und ihrem Übermut bemerken sie nicht, wenn sie anderen weh tun...

Am nächsten Tag spielt Koala Kuschelkugel erneut alleine. Er hat eine Wurzel gefunden, die er wie einen Fußball vor sich her kickt, und zwischendurch rennt oder hüpft er ein wenig herum, aber ohne einen Freund macht das alles einfach keinen Spaß. Plötzlich hört er jedoch ganz in der Nähe gutgelaunte Stimmen: „Und hopp, ich hab dich! Jetzt bist du dran!“
 „Ach was, ich mag nicht mehr. Kommt, lasst uns etwas anderes spielen!“
„Au ja, ich hab schon eine tolle Idee, wir könnten...“
Neugierig schleicht Koala Kuschelkugel näher, er schaut zwischen den Bäumen hindurch - und sieht eine Gruppe von Kängurus. Wie hübsch die Kängurus doch sind, denkt Koala Kuschelkugel, sie haben so liebe, sanftmütige Augen und so einen ulkigen Beutel vorne am Bauch... In diesem Moment bemerken auch die Kängurus Koala Kuschelkugel und winken ihm aufgeregt zu: „He, du, komm doch zu uns herüber! Du brauchst nicht alleine zu sein. Wir können Freunde werden und alle zusammen etwas unternehmen.“
Koala Kuschelkugel strahlt vor Glück und läuft eilig zu den Kängurus. Die Kängurus nicken ihm freundlich zu.
„Und was macht ihr den ganzen Tag lang?“ fragt Koala Kuschelkugel vorsichtig, denn er muss plötzlich an die Kookaburras denken und hat nun ein wenig Angst, dass auch die Kängurus nichts als Schabernack und Unfug im Sinn haben.
Aber die Kängurus versichern ihm: „Oh, wir hüpfen und springen herum und spielen gemeinsam alle möglichen Spiele. Vorhin haben wir Fangen gespielt, und jetzt wollen wir einen kleinen Wettlauf veranstalten.“
Da ist Koala Kuschelkugel begeistert: Das klingt wirklich wundervoll! Er ist überzeugt, dass er sich mit den Kängurus gut verstehen wird.
Die Kängurus erklären ihm die Regeln für den Wettlauf: Wenn man immer geradeaus läuft, erreicht man nach einiger Zeit einen kleinen Fluss. Derjenige, der zuerst dort ankommt, hat gewonnen und darf entscheiden, was als nächstes gespielt wird. Fröhlich stellt Koala Kuschelkugel sich mit seinen neuen Freunden in einer Reihe auf, und dann gibt ein Känguru das Startzeichen. Sofort hüpfen alle Kängurus los, und auch Koala Kuschelkugel rennt, so rasch er kann. Aber oh je, die Kängurus machen mit ihren langen, kräftigen Beinen riesige Sprünge und sind dadurch viel schneller als Koala Kuschelkugel! Koala Kuschelkugel bleibt alleine zurück, während seine Freunde in der Ferne verschwinden.
„Halt, halt, wartet auf mich!“ ruft Koala Kuschelkugel ganz außer Atem, aber die Kängurus sind schon so weit entfernt, dass sie Koala Kuschelkugel gar nicht mehr hören können. Trotzdem kämpft Koala Kuschelkugel sich tapfer weiter. Der Weg bis zum Fluss ist entsetzlich lang. Koala Kuschelkugel schnauft und schwitzt und kann sich vor Erschöpfung kaum noch auf den Beinen halten, aber als er endlich am Ziel ankommt, sind die Kängurus längst weitergezogen. Schon wieder ist Koala Kuschelkugel alleine.
Die Kängurus sind sehr gutmütig, und sie haben es gewiss nicht böse gemeint, aber es fällt ihnen schwer, sich in andere hineinzuversetzen. Deswegen können sie sich einfach nicht vorstellen, dass andere Tiere nicht so schnell laufen und springen wie sie und nehmen somit keine Rücksicht.

Traurig lässt Koala Kuschelkugel sich ins weiche Gras sinken und schluchzt leise. Jetzt ist er endgültig überzeugt, dass er nie einen Freund finden wird. Und es liegt nur daran, dass er nicht so hübsch und unbeschwert ist wie die Schmetterlinge, nicht so lustig und frech wie die Kookaburras, nicht so sportlich und geschickt wie die Kängurus...
Koala Kuschelkugel weiß nicht, wie lange er geweint hat, als langsam ein anderes Tier angeschlichen kommt: Es ist Willy Wombat. Willy Wombat ist sehr dick und behäbig, und er bewegt sich immer ganz langsam und schwerfällig. Koala Kuschelkugel hat Willy Wombat schon ein paar Mal in der Nähe seines Baumes gesehen, aber er hat ihm nie besondere Beachtung geschenkt. Willy Wombat kommt zögerlich näher, und dann setzt er sich direkt neben Koala Kuschelkugel. Zunächst sagt er nichts. Willy Wombat ist klug und verständnisvoll, deswegen weiß er, dass es Situationen gibt, in denen es besser ist, zu schweigen.
Schließlich, als sie lange genug so dagesessen haben, spricht Willy Wombat Koala Kuschelkugel dann doch an: „Die siehst so lieb und freundlich aus. Ich wäre gerne dein Freund...“
„Ach was,“ brummt Koala Kuschelkugel und wendet sich ab, „das glaube ich dir nicht. Du machst dich bloß lustig über mich, genau wie die Schmetterlinge, die Kookaburras und die Kängurus. Niemand möchte mein Freund sein, denn ich bin weder unbekümmert und anmutig, noch witzig, noch kann ich schnell laufen oder weit springen...“
„Na und?! Das alles ist doch gar nicht so wichtig,“ erklärt Willy Wombat. Er lispelt ein wenig, weil seine Schneidezähne so weit hervorstehen. „Einen wahren Freund erkennt man nicht daran, wie er aussieht oder was er kann, sondern an seinem Herzen. Ein Freund ist jemand, der dich versteht, der stets zu dir hält und dich nie im Stich lässt, der Sorgen und Freuden mit dir teilt und auf den du dich jederzeit verlassen kannst. Und ja, ich bin sicher, du bist ein ganz wundervoller Freund...“
Koala Kuschelkugel denkt ein wenig nach, und er muss zugeben, dass Willy Wombat recht hat. Was bedeutet es schließlich schon, dass jemand besonders schön, heiter, spaßig oder sportlich ist, wenn man nie weiß, wie lange man ihm noch vertrauen kann? Und dann überlegt Koala Kuschelkugel weiter: Jemand, der über Freundschaft so viel weiß wie Willy Wombat, ist selbst bestimmt ebenfalls ein großartiger, zuverlässiger Freund...
„Au ja, lass uns Freunde sein!“ jubelt Koala Kuschelkugel und umarmt Willy Wombat.

Es dämmert bereits, und Koala Kuschelkugel muss jetzt nach Hause gehen, damit er nicht zu spät zum Abendessen kommt. Willy Wombat begleitet ihn, denn er wohnt mit seiner Familie in einer Höhle ganz in der Nähe des Baumes, auf dem Koala Kuschelkugel und seine Eltern leben. Den ganzen Weg über unterhalten die beiden sich; sie erzählen einander, was sie gerne essen, welche Farbe sie besonders schön finden und was sie am liebsten spielen...

An diesem Abend kann Koala Kuschelkugel kaum einschlafen, denn er ist sehr aufgeregt, ob Willy Wombat auch morgen noch sein Freund sein will.

Und tatsächlich: Als Koala Kuschelkugel am nächsten Morgen von seinem Baum herunterklettert, ist Willy Wombat schon da.
„Ich habe mich schon so darauf gefreut, dich zu wiederzusehen, dass ich es kaum erwarten konnte!“ ruft Willy Wombat ihm zu. 
Koala Kuschelkugel ist überglücklich, denn kann es je etwas Schöneres geben, als zu wissen, dass man einen Freund hat, der sich freut, einen zu sehen?! Begeistert springt und tanzt Koala Kuschelkugel umher und juchzt laut. Und Willy Wombat wirft sich auf den Rücken, strampelt mit den Beinen in der Luft und kreischt und quietscht in den höchsten Tönen, so froh ist er, Koala Kuschelkugel als Freund zu haben.

Den ganzen Tag spielen Koala Kuschelkugel und Willy Wombat zusammen: Sie suchen Rindenstücke, die sie sich gegenseitig zuwerfen, sie lassen Blüten und Blätter im Bach schwimmen und freuen sich, wie hübsch diese auf den Wellen hin und her schaukeln, sie hüpfen und tollen herum und versuchen, rückwärts zu gehen, sie schlagen Purzelbäume, und zwischendurch laufen sie sogar ein kleines Stück um die Wette und müssen dabei am Ende ganz viel lachen, denn sie sind beide genau gleich schnell gelaufen, so dass es gar keinen Sieger und keinen Verlierer gibt. Und es macht ihnen überhaupt nicht mehr aus, dass sie beide nicht so sorglos und leichtherzig wie die Schmetterlinge sind, nicht so witzig wie die Kookaburras und nicht so flink wie die Kängurus, denn dadurch, dass sie echte Freunde sind, die wissen, dass sie fortan immer zusammenhalten werden, haben sie viel, viel mehr Spaß als alle anderen Tiere!

An diesem Abend ist Koala Kuschelkugel richtig müde vom vielen Spielen. Zufrieden kauert er sich in seine Astgabel und schließt die Augen. Er freut sich schon riesig darauf, Willy Wombat morgen wiederzusehen. Und übermorgen auch. Und überübermorgen. Jeden Tag...