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“Kundalinì” ist in der Horror- und Phantastik-Anthologie “Pandaimonion II - ...Denn der Wahnsinn ist nah” veröffentlicht.
“Pandaimnonion II - ...Denn der Wahnsinn ist nah” erscheint im Verlag der “StoryOlympiade”
(www.storyolympiade.de).
125 Seiten
Paperback
Preis: 7,70 Euro
ISSN 1618-9647
erschienen im April 2003 aufgrund des großen Erfolgs von “Pandaimonion”
 

Eine Leseprobe aus “Kundalinì”:

...
Straßen und Highways ziehen sich gleich Peitschenstriemen über die zernarbte Oberfläche der Erde. Anonyme Gesichter hinter Windschutzscheiben. Einbahnstraßenschilder. Akkurat beschnittene Hecken und Sträucher krümmen sich auf Verkehrsinseln. Hochhäuser wirken wie Pappkartons zur Aufbewahrung toter Seelen.
Die üppige Blumenpracht vor dem Floristikgeschäft verströmt einen süßen, fast schon modrigen Geruch. Verkümmerte, unfruchtbare Knospen schlängeln sich um die stählernen Streben und Ornamente eines Geländers.
Getrocknete Tränenspuren auf den Wangen eines jungen Mädchens.
Die Müllabfuhr sammelt verdorrte Christbäume ein, in deren Geäst noch letzte Lamettafäden glitzern, und transportiert sie aus der Stadt. Rauch steigt aus den Schornsteinen des Schlachthofs empor.
Brackige Wasserlachen im Hafengelände. Hydranten tröpfeln freudlos vor sich hin. Eine Dame mit biegsamen, schillernden Pfauenfedern auf dem Hut und einem Umhang aus Seide lugt ängstlich um eine Ecke und eilt dann schnellen Schrittes weiter. In der Hand trägt sie einen Benzinkanister. Raben mit triefenden Ölblicken kauern auf Baracken und mustern gleichmütig das Geschehen. In der Ferne ballen sich Wolken zusammen.
Irgendwo jault eine Kreissäge: Die Linden auf dem "Ananta-Galeru-Platz" werden gefällt, weil sie im Laufe der Jahre angeblich zu groß geworden sind und deshalb nicht mehr in das homogene Stadtbild passen.
Künstliche Lotosblüten hinter Gardinen. Gläserne Miniaturpyramiden werfen Prismen. Ein Kanarienvogel mit gestutzten Schwingen pfeift monoton vor sich hin. Währenddessen sitzt die Familie gemeinsam vor dem Fernsehapparat und schaut sich Wiederholungen der Sportschau an. Das kleine Mädchen starrt ebenfalls auf den flimmernden Bildschirm, gähnt und kratzt dabei gedankenverloren an der Schramme auf ihrem Knie. Der Mann schiebt sich routiniert ein Stück paniertes Schnitzel nach dem anderen in den Mund. Fett tropft über sein Kinn und hinterlässt dort feuchte, saftig glänzende Spuren.
"Wie viel Uhr is´?"
"Gleich halb sieben."
"Wann wird Tabby abgeholt?"
"Gegen sieben, halb acht vielleicht. Ihre Mutter hat heute Spätschicht."
"Ah ja... Tabby... Heh, Tabiti, magst du noch n Apfel?"
Das Mädchen nickt, ohne ihren Blick vom Fernsehapparat abzuwenden.
Ein Mittwochabend wie jeder andere also.

Nur wenige Meilen hinter der Stadt beginnt die Wüste:
Goldgelber Sand, darüber wölbt sich tiefschwarz der Nachthimmel:
Schon seit Jahrmillionen stehen diese beiden Sphären sich unvereinbar gegenüber, ebenmäßig, endlos, so ewig gleich...
Zwei seidig schimmernde Schalen, Hüllen...
Ausgebreitete Projektionsflächen, jede das negative Spiegelbild ihres Gegenüber...
Scheinbar unerreichbar für einander...
Zwei Karten von fremden Spielen...
... Wie die Gesichter von Gottheiten aus unterschiedlichen Sagen, die einander reglos in die Augen schauen, wobei jede sehnsüchtig darauf wartet, die andere möge endlich die Initiative ergreifen und sich bewegen, um sie zu berühren...

Es ist vollkommen windstill.
Plötzlich - ein Rascheln.
Über den Boden gleitet eine glitzernde Schlange, die sich windet und eine schattige, etwas dunklere Spur im Sand hinterlässt.
Alles ist in Würde erstarrt.
Für wenige Sekunden setzt der Herzschlag des Kosmos aus,
denn
die Schlange zuckt kurz, richtet sich auf;
blau-golden reflektieren ihre Schuppen die Farben der Wüste und des Firmaments, jedes einzelne Segment ein funkelnder Spiegel in Miniaturformat;
dann schießt sie wie ein glühender Pfeil, eine züngelnde Flamme in die Höhe,   
lodernder Komet,
verheißungsvoller Blitz,       
geschmeidiger, glimmender Stalagmit,
astrale Feuersichel,   
flackernde, schwelende Verbindung zwischen Erde und Universum,
eine phosphoreszierende Nabelschnur,
entschwindet ins Weltall,
schwärzlich zeichnet sich ihr Schatten im Sand der Wüste ab,
noch ein letztes Mal taucht sie kurz aus der Dunkelheit auf,
um dann gleich einem winzigen Funken in der Ferne zu verglühen...

Die Welt erzittert. Etwas Einmaliges, Unwiderrufliches ist geschehen.

. . .

 
  
“Pandaimonion II”
hat den 2 Preis gewonnen beim “Deutschen Phantastik-Preis 2003”
 

Zum Inhalt:
Wie schon “Pandaimonion” handelt dieses Buch vom Grenzbereich zwischen Realität und Phantasie, Traum und Wahnsinn und zeigt auf, welche Abgründe sich hinter der scheinbar harmlosen Fassade unseres Alltags verbergen oder zumindest verbergen könnten...
Normal - wenn die Helden der Geschichten in diesem Buch etwas nicht sind, dann ist das normal.
Da ist z.B. Gabriel, der behinderte Junge aus dem Heim, der einmal im Jahr ungeahnte Kräfte entwickelt. Oder Konny, die ein seltsames Verhältnis zu ihren Wohnzimmertapeten hat. Nicht zu vergessen der Mann, der Tag für Tag im Fahrstuhl seine Traumfrau anschmachtet, bis...
Nun ja, jeder rastet gelegentlich mal aus.
Entdecken Sie die Welt menschlicher Abgründe und seien Sie sicher: Normal ist das nicht!

“Pandaimonion II” enthält 28 ausgewählte Erzählungen folgender Autoren:
Armin Rößler, Barbara Schinko, Niels Peter Henning, Regina Schleheck, Fran Henz, Petra Vennekohl, Martin Herbst, Petra Wilfert, Michael Borlik, Nadine Muriel, Christiane Kleine, Oliver Wöbbeking, Ulrike Stegemann, Wulf Dorn, Markus K. Korb, Ines Bauer, Reiner Mund, Stefanie Bense, Sven Liewert, Thomas Kohlschmidt, Eri Schuchardt, Robert Kerber, Dirk Wonhöfer, Kirsten Lang, Tatjana Stöckler, Alfred Koporski, Jakob Berghammer und Heike Rau

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