“Geisterstadt” ist in dem Horror- und Phantastik-Sammelband “Pandaimonion” veröffentlicht.
“Pandaimonion”
erscheint im Verlag der “StoryOlympiade” (
www.storyolympiade.de)
129 Seiten
Paperback
Preis: 7, 70 Euro
erschienen im Dezember 2002
ISSN 1618-9647

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Eine Leseprobe aus “Geisterstadt”:

...
Straßenlaternen funkeln wie Irrlichter.
Zuckende, rhythmisch aufblitzende Leuchtreklamen.
Filmpaläste. Grellbunte Plakate.
Hell angestrahlte Schaufenster tauchen die Gesichter der Passanten in einen schneidend scharfen Neonglanz.
Scheinwerfer blenden mich. Meine Augen tränen.
Der Bürgersteig ist von schmutziggrauem Schneematsch bedeckt. Überall auf dem Boden zertretene, aufgeweichte Flugblätter. Karikaturhaft entstellte Fratzen starren mir höhnisch entgegen, als wollten sie über meine Naivität spotten.
Kann sein, dass hier erst vor kurzem eine Demo stattgefunden hat.
Ich weiß es nicht, ich bin fremd in dieser Stadt.
Ansonsten bloß eine Reihe Häuser - eines wie das andere - mit polierten Nummernschildern und leeren Fensterscheiben, in denen ich nichts weiter erkenne als mein eigenes Spiegelbild, bis zur perversen Widernatürlichkeit verzerrt.
Hoch über mir winzige Balkone. Steril und absolut identisch.
Ich gehe weiter und erreiche eine Kreuzung. Die Fußgängerampel schaltet um auf rot; die für Fahrzeuge wechselt zu grün.
In einem Pulk schweigender, uniformer Leute warte ich vor einer Straße, auf der sich kein einziges Auto nähert.
Ein Blick auf die Armbanduhr zeigt mir, dass es schon spät ist.
Ich spreche meinen Nachbarn an: "Entschuldigung; wann, bitte sehr, fährt der nächste Bus nach draußen?"
Keine Antwort, man mustert mich bloß halb fragend, halb gelangweilt: Draußen? Sollte es tatsächlich noch irgendwo einen Ort außerhalb unserer Stadt, dem stählernen Termitenhügel der Arbeit, anonymen Konformität und resignierten, hoffnungslosen Apathie, geben?
Unverständnis und Desinteresse schlagen mir entgegen.
Beißende Kälte.
Irgendwo plärrt eine Stereoanlage.
Schneeregen peitscht mir in den Nacken.
Ein einsames Mädchen steht von allen unbemerkt da und produziert mit Hilfe einer gebogenen Drahtschlinge unverdrossen Seifenblasen. Fasziniert beobachtet es, wie eine ölig glänzende Kugel nach der anderen aufsteigt, im bunten Phosphorlicht matt schimmert und dann vom Winterwind gepackt und davongetragen wird, um letztendlich an der nächsten Hauswand zu zerplatzen.
Auf einer Verkehrsinsel sitzen ein paar Freaks, trinken Dosenbier und pöbeln vorbeigehende Leute an. Einer kotzt. Niemand reagiert darauf.
Verbeulte Schilder machen mit abstrakter Symbolik auf Sackgassen und Einbahnstrassen aufmerksam.
In einem Mülleimer liegen die Fetzen eines Stadtplans.
Irgendwo der kreuzförmig verbarrikadierte Notausgang eines Krankenhauses.
Ich gehe durch eine Unterführung. Ihre steinernen Wände sind kalt, feucht und mit Moos bewachsen wie die einer Gruft. Nahe dem Ausgang prangt in großen, leuchtend blauen Graffitti-Buchstaben das Wort "Motherfucker".

Dann gerate ich in einen anderen Stadtteil.

. . .

  Geisterstadt

atlantis

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Zum Inhalt:
Die Autorinnen und Autoren der Anthologie erzählen vom Dämonischen in den Menschen, von ihren Ängsten, ihrer Hilflosigkeit, dem Ausgeliefert-Sein, und von allzu absonderlichen Verhaltensweisen mancher Zeitgenossen.
Die Erzählungen schildern aber auch, wie das Unfassbare, das Böse in unsere Welt eindringt - Schritt für Schritt, und oftmals von unserr Gesellschaft unbemerkt oder unbeachtet.
Schließlich ist es für die Menschheit leichter und bequemer, die Augen und Ohren zu verschließen, anstatt die Warnungen von vermeintlichen Spinnern zu beachten, oder die verzweifelten Hilferufe einiger Sonderlinge ernstzunehmen.
Splatter und Gemetzel wird der Leser in diesem Buch allerdings vergeblich suchen. Denn Horror ist nicht gleichzusetzen mit sinnlosen Gewaltorgien.
Horror in Verbindung mit Phantastik ist ein Grauen, das im Kopf entsteht.

“Pandaimonion” enthält 23 ausgewählte Erzählungen folgender Autoren:
Eddie M. Angerhuber, Markus K. Korb, Fran Henz, Judith Rau, Petra Wilfert, Niels Peter Henning, Jakob Berghammer, Frank Liebchen, Nadine Muriel, Martin Herbst, Armin Rößler, Christian Schönwetter, Wulf Dorn, Thomas Kohlschmidt, Henry Bienek, Regina Schleheck, Bernhard Brunner, Heike Rau, Martin Witzgall, Michael Borlik, Christine Köck und Sebastian Pfähler