21. Oktober

~ Randy Ray ~

Ray erwachte mit dem Gefühl, in seinem Kopf habe sich über Nacht ein eifrig wimmelnder Bienenschwarm eingenistet. Schon allein beim Anblick der leeren Weinflasche überkam ihn dumpfe Übelkeit. Benommen rieb er seine seeblauen Augen.
„Hey, seid ihr wach?“ Esther, die schöne, lotusäugige, war wie eine sich häutende Schlange aus dem Schlafsack gekrochen und schaute sich interessiert um. Selbst jetzt sah sie noch wundervoll aus; betörend gleich einer dem Meerschaum entstiegenen Aphrodite, fand Randy Ray. Irgendwo neben dem Schlagzeug knurrte Angela Unverständliches.
Inga rappelte sich auf und wandte sich mitfühlend an Flori: „Wie geht´s dir?“
„Gut - ich meine, jetzt, wo der ganze Alkohol draußen ist...“ Flori kicherte verlegen. „Tut mir leid, wenn ich euch irgendwie auf die Nerven gegangen bin gestern, ihr wart ja alle schon am Schlafen, als ich noch mal völlig konfus über euch drüber geturnt bin und...“
Inga winkte ab. „Ach was, nicht der Rede wert. So was kommt bei uns öfter vor. Außerdem ist bei den Rastafaris – also den echten, den religiösen von Jamaica – Kotzen heilig, weil es Interaktion mit dem Kosmos symbolisiert. Essen und Trinken übrigens auch! Tröstet dich das?“
„Weiß nicht. Vielleicht. Aber ich finde trotzdem heilig essen und trinken angenehmer als heilig kotzen.“
Esther lachte. „Dann waren wir gestern aber alle verdammt heilig!“ Ihre Stimme klang rau und rauchig.
„Und wir sind immer dankbar, wenn´s mal neue Kandidaten für die Homepage gibt," erklärte Inga.
„Homepage?“
Ray fühlte sich bemüßigt, ebenfalls etwas zum Gespräch beizutragen. Noch immer auf dem Rücken liegend, antwortete er: „Die WebSite von Libertalia. Wir führen da eine Liste, wie viele Leute schon hier im Proberaum gekotzt haben.“
„Und bisher sind er und Inga die einzigen, die draufstehen,“ ließ sich Angela vernehmen.
„Ab heute aber nicht mehr!“
„Ätsch!“
Inga und Ray kicherten synchron.
Draußen schlug die Turmuhr elf. Esther gähnte herzhaft und präsentierte einen Gaumen, der so rot war wie eine Erdbeere. Ray war hingerissen.
„Und, was habt ihr heute noch Schönes vor?“ fragte Inga, während sie begann, das Laken, unter dem sie geschlafen hatte, zusammenzufalten.
Ray überlegte, und dann fiel ihm ein, dass heute Sonntag war. Augenblicklich verdüsterte sich seine Stimmung. Ray haßte Sonntage, und er fand, sie waren so ziemlich die unnötigste Erfindung der Welt. Er dachte an all die einsamen, tatenlosen, langweiligen Stunden, die sich wie eine Mauer vor ihm auftürmten, und ihm wurde schwer ums Herz. Klar, zu tun gäbe es genug, er könnte beispielsweise endlich mal die Mitschriften für sein Linguistik-Seminar, das morgen stattfand, sortieren und ordentlich am Computer abtippen oder die Texte für sein Seminar „Geschichte der frühen Neuzeit“ lesen, aber diesen Gedanken schob er rasch beiseite. Warum musste es überhaupt wöchentlich einen Tag geben, an dem alle Geschäfte außer der Tanke geschlossen waren und der offenbar nur dazu diente, dass die Familien herumspazierten, sich gegenseitig besuchten, betulich über Nichtigkeiten plauderten und dabei so zufrieden wirkten, als wollten sie allen Alleinstehenden stolz demonstrieren, dass diesen etwas Großartiges entging?! Dieser Feiertag der Spießeridylle gehörte komplett gestrichen! Und erschwerend kam noch dazu, sinnierte Ray weiter, dass seine Eltern ihm ebenfalls jahrelang eingetrichtert hatten, der Sonntag sei etwas Besonderes, Heiliges, so dass alle normalen Tätigkeiten komplett tabu waren. Wenn gutes Wetter war, so wie heute, hatte man diesen Tag zu verbringen, indem man einen Ausflug unternahm... Und Rays Problem bestand nun darin, dass er meistens nicht die geringste Lust verspürte, alleine durch den Wald zu latschen, aber wenn er zu Hause blieb und etwas für die Uni tat oder auch einfach nur herumgammelte, hatte er ein schlechtes Gewissen. Das war ein ernsthaftes Dilemma.
„Ich hab Hunger!“ verkündete er. „Und ich brauch dringend einen Kaffee. Habt ihr Lust, mit ins Rex Lacerte zu kommen?“
Er wusste aus Erfahrung, dass sich die übliche sonntägliche Leere am ehesten umgehen ließ, indem man diesen Tag zusammen mit anderen verbrachte, doch leider hatten die meisten Leute den Sonntag dafür reseviert, sich mit dem Partner zu treffen, die Eltern oder sonstige Familienmitglieder zu besuchen oder etwas ähnliches zu tun, und für ihn schien kein Platz in dieser biederen Glückseligkeit zu sein. Nun hoffte er, dem Trübsinn zumindest für die Dauer eines Frühstücks zu entrinnen.
Inga schüttelte wie erwartet den Kopf. „Sorry, aber ich wollte eigentlich gleich zu Thorsten fahren. Ich glaube, er war eh schon etwas enttäuscht, dass ich gestern Abend mit euch losgezogen bin und nicht mit ihm.“
„Und ich muss unbedingt so schnell wie möglich heim und anfangen, meine Bude aufzuräumen,“ verkündete Flori. „Meine Schwester kommt heute Nachmittag zu Besuch, und ich glaube, sie hat nur wenig Verständnis dafür, wenn´s bei mir aussieht wie im Saustall, weil ich den Tag statt mit Saubermachen damit verbracht habe, in irgendwelchen Kneipen rumzuhängen und über kotzende Rastafaris zu diskutieren.“
Auch Angela und Pamela hatten schon etwas vor. Nur Esther wirkte noch unentschlossen: „Also, ursprünnglich wollte ich heute... Na, egal, nicht so wichtig. Ich würd gern mit dir zusammen frühstücken, Ray, und noch mal in Ruhe die Ereignisse der letzten Nacht rekapitulieren. Das war ja wahrhaft bacchantisch!“ Sie lachte. „Aber, um ehrlich zu sein, so völlig verschwitzt und ungewaschen in irgendein Lokal einzufallen, fände ich etwas ungemütlich... Ich hätte einen anderen Vorschlag: Was hältst du davon, wenn wir einfach zu mir nach Hause fahren?! Wir könnten unterwegs Brötchen bei der Tanke holen, ansonsten hab ich alles da, was zu einem guten Frühstück gehört, und dann können wir uns erst mal frisch machen und anschließend ganz gemütlich in den Sonntag starten. Na, wie wär´s?!“
Ray nickte begeistert.

Kurz darauf standen sie an der Straßenbahn-Haltestelle. Das Wetter war tatsächlich ungewöhnlich mild für diese Jahreszeit, fast schon frühlingshaft warm. Esthers Haar glänzte im Licht der tiefstehenden Sonne. Irgendwer goß seine Balkonblumen, und kleine Wasserspritzer fielen direkt neben Randy Ray und Esther auf den Asphalt der Straße. Die Linie 4 kam, und sie stiegen ein. Es waren kaum Leute in der Bahn.

„Moment mal, ich muss noch was abklären,“ Esther packte ihr Handy aus, tippte eine Nummer ein und wartete kurz, ehe sie sprach: „Guten Tag, Frau Kühleborn, ist Nadine... Ach so, du bist schon dran, ich hab deine Stimme gar nicht erkannt. Ja, du, ich wollte nur fragen, ob du Lust hast, heute Ikarus zu reiten. Wirklich? Ich hab nämlich jetzt doch keine Zeit, aber du musst echt nicht extra zu Hof Vineto rausfahren, wenn du eigentlich was anderes vorhattest, ehrlich, gar kein Problem, dann ruf ich einfach Ruth an und sage ihr, sie soll Ikarus nachher mit den Schulpferden auf die Weide bringen, ich denke, es schadet ihm überhaupt nichts, wenn er ausnahmsweise mal einen Tag lang bloß draußen herumtollt, wir haben ihn ja beide ziemlich rangenommen in der letzten Woche... Nein, nein, das wollte ich damit nicht sagen, natürlich ist es absolut großartig, wenn du noch ein bisschen ins Gelände gehst mit ihm, aber wie gesagt, nur wenn du wirklich möchtest... Ja, super, dann also viel Spaß noch!“

 „Nadine? Ikarus? Wer ist das?“ erkundigte Randy Ray sich neugierig.
„Ikarus ist mein Pferd. Ein absolut süßer, eigenwilliger Arabo-Haflinger. Ich hab ihn bekommen, als ich vierzehn war, da war er noch ein Fohlen, und später hab ich ihn mit Hilfe meiner Reitlehrerin sogar selbst eingeritten. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich an ihm hänge! Manchmal benimmt er sich etwas ungestüm, aber er ist trotzdem total lieb und anhänglich, und beim Reiten reagiert er echt auf die leichtesten Hilfen, ganz sensibel... Ikarus ist einfach ein Traumpferd! Und Nadine ist ein Mädchen, das mir bei der Pflege von Ikarus hilft. Weißt du, für mich alleine wäre es einfach zu viel, mich neben Studium und Job noch täglich um Ikarus zu kümmern... Deswegen hat Nadine Ikarus als ‚Pflegepferd’, wie man sagt, das heißt, sie übernimmt einen Teil der Aufgaben und der Verantwortung und darf dafür kostenlos reiten. Das ist echt eine wahnsinnig große Erleichterung für mich.“
Randy Ray, der von Pferden keine Ahnung hatte, wusste nicht, was er zu diesem Thema sagen oder fragen konnte und schwieg. Esther fuhr jedoch eifrig fort: „Am Anfang war ich etwas zögerlich, als Ruth, also die Besitzerin von dem Reiterhof, gemeint hat, ich solle mir unter all den pferdeverrückten Mädels, für die ein Pflegepferd der allergrößte Traum ist, eine suchen, die mir mit Ikarus hilft, aber schon nach dem ersten Semester habe ich eingesehen, dass ich es alleine wirklich nicht schaffe... Na, und mit Nadine hatte ich wirklich riesiges Glück, sie ist absolut zuverlässig, kommt super mit Ikarus klar und kann auch ganz selbständig mit ihm trainieren. Klar, man muss natürlich schon Absprachen treffen, Rücksicht nehmen und flexibel sein – aber bisher hat alles hervorragend geklappt.“
 „Und sonst – ist Nadine nett?“ erkundigte Randy Ray sich, nur um überhaupt etwas zu sagen und weil ihm zum Thema ‚Pferde’ noch immer absolut nichts einfiel. Schließlich sollte Esther nicht denken, dass er ein schweigsamer, notorisch uninteressierter Langweiler war! Esther zog die Augenbrauen zusammen, ihr Gesicht verdüsterte sich und sie wirkte auf einmal besorgt. „Nadine und nett?!“ Sie dachte nach. „’Nett’ ist vielleicht ein etwas unpassender Begriff in Bezug auf Nadine. Symathisch ja, das auf jeden Fall, und auch äußerst höflich und hilfsbereit. Aber weißt du, Nadine ist irgendwie einfach total düster und unnahbar. Ich meine, klar, sie ist jetzt 17, und dass man in diesem Alter oft hadert mit sich und der Welt ist wohl normal – aber so extrem wie bei Nadine hab ich´s echt noch nie erlebt. Man hat das Gefühl, sie lässt grundsätzlich niemanden an sich heran – als ob sie irgendein Geheimnis hat, das sie unbedingt vor anderen schützen will. Nach außen hin ist sie stets sehr freundlich, manchmal sogar schon fast zu schüchtern und zurückhaltend, aber ich habe immer den Eindruck, das alles ist nur Fassade, und dahinter liegt ein gewaltiger Abgrund... Du, glaub mir, ihre Augen machen mir manchmal regelrecht Angst, so unendlich traurig sind sie! Am Anfang dachte ich ja, dieses mystische Auftreten ist nur pubertäres Getue, aber inzwischen habe ich immer mehr den Eindruck, Nadine ist wirklich verdammt einsam und unglücklich. Ruth hat sich sogar schon mal beschwert, dass Nadine ihrer Meinung nach manchmal richtig ablehnend oder abweisend rüberkommt – aber Ruth selbst ist halt einfach so herzlich, und Nadine ist da wohl das genaue Gegenteil, immer etwas kühl und distanziert...“
„Ahhh... ja. Das ist ja krass.“ Ray hatte nur mit halbem Ohr zugehört, während Esther wie ein Wasserfall auf ihn einredete. Er fühlte sich noch immer leicht betäubt und schwindelig, daran änderte auch Esthers betörende Nähe nichts, und wenn er aus dem Fenster der Straßenbahn schaute, konnte er sich außerdem des beängstigenden Eindrucks nicht entwehren, dass er vor gar nicht allzu langer Zeit schon mal hier vorbeigekommen war, an diesen Reihenhäusern und ihren handtuchgroßen Vorgärten mit beschnittenen Sträuchern, an der Videothek und an der Statue von Atlas, der die Erdkugel auf seinem Rücken trägt, auch wenn Ray nicht die geringste Ahnung hatte, wann und bei welcher Gelegenheit das gewesen sein könnte. Ja, seit kurzem schien die Welt um ihn herum, die bisher bloß die Kulisse seiner Aktivitäten gewesen war, eine seltsame Eigendynamik angenommen zu haben, sie war zu einem unerklärlichen Sog der Ereignisse geworden, der ihn einfach mitriß, Randy Ray merkte, wie er die Kontrolle verlor, und er wusste selbst nicht, ob er erschreckt oder fasziniert sein sollte... „Wohin fahren wir überhaupt?“ fragte er.
Esther wich seinem Blick aus, während sie antwortete: „In die Weststadt. Ich wohne in der Kasernenstraße.“

* ° *

 

~ Nadine Kühleborn ~

Richie lag auf dem Sofa, in hautengen Jeans und einem locker fallenden sonnengelben Cashmerepulli, hatte die Augen geschlossen und ließ ihre Gedanken schweifen. Im Hintergrund lief Radio Brackstadt. Sonntags wurden dort meist Songs von Newcomer-Bands gespielt.

When I´m lying in your arms,
when I feel your soft, naked skin,
then I wish I could stay here forever
like the sunlight lingering in your hair,
but I know I´ll have to say farewell...

...´cause I´ve got sailer´s blood,
it´s centuries-old,
I´ve got sailor´s blood,
it´s burning my soul,
I´ve got sailor´s blood,
makes me go on and on
and I can never stay at home...

I´m the restless gipsy king,
I´ll be heading south when you´re still asleep,
Can´t look back, the pain would kill me,
but I can´t stay here anyway

...´cause I´ve got sailer´s blood,
it´s centuries-old,
I´ve got sailor´s blood,
it´s burning my soul,
I´ve got sailor´s blood,
makes me go on and on
and I can never stay at home...

I´ll cross the Tropic of the Capricorn,
and I´ll live my Pacific dream,
For some people, love means shelter,
for me, love means,
my heart is torn apart

...but I´ve got sailer´s blood,
it´s centuries-old,
I´ve got sailor´s blood,
it´s burning my soul,
I´ve got sailor´s blood,
makes me go on and on
and I can never stay at home...

Richie verzog genervt die Mundwinkel. „Meine Güte, was für ein furchtbares Gegröhle! Ich frage mich, wer so was hört. Das ist ja entsetzlich, findest du nicht auch, Nadine?!“
Nadine jedoch sprang gerade ausgelassen durch den Flur und jubelte im Takt der Musik: „Ich fahr zu Ikarus! Ich fahr zu Ikarus!“ 
Draußen sandte die Herbstsonne ihre goldenen Strahlen in die Welt, die Ängste und Träume der vergangenen Nacht erschienen Nadine jetzt unendlich weit entfernt und wie ein roter Teppich breitete sich ein neuer Tag vor ihr aus, um sie willkommen zu heißen und hinaus ins Freie zu locken.
„Echt? Also war das eben Esther am Telefon?! Das kam aber gerade sehr kurzfristig,“ nörgelte Richie. Nadine zuckte gelangweilt die Schultern und begann, ihre Reithose anzuziehen. Sie wusste, Richie würde jetzt wahrscheinlich etwas sticheln, Richie hatte Esther noch nie leiden können, aber letztendlich würde Richie es nicht verbieten. Richie verbot eigentlich nie etwas, solange man nichts außerordentlich Verrücktes oder Gefährliches tat, hatte Nadine festgestellt, dazu war Richie viel zu besessen von dem Wunsch, für Nadine weniger eine strenge, strafende Mutter als eine gleichberechtigte Freundin zu sein. Und was bedeutete schon ein wenig Gemäkel im Vergleich zu all den Gemeinheiten, die Nadine sich in der Schule andauernd anhören musste?!
„Hat Esther denn wenigstens gesagt, was ihr dazwischengekommen ist?“ fuhr Richie wie erwartet fort. „Nein? Na, dann kann es ja nicht allzu wichtig gewesen sein. Ich finde, Esther ist einfach schrecklich unzuverlässig, total sprunghaft und launisch, und du lässt dich viel zu sehr von ihr ausnutzen.“
„Ist schon O.K. Esther hat extra noch betont, dass Ikarus heute nicht unbedingt bewegt werden muss, er kann genauso gut auch einen Tag auf der Weide verbringen. Ich geh wirklich freiwillig,“ erklärte Nadine lustlos. Wozu diskutieren!? Richie würde sowieso auf ihrer Meinung beharren. Wenn es nach ihr ging, musste man sich immer und überall durchzusetzen versuchen, schon aus Prinzip, und dazu hatte Nadine keine Lust. Auseinandersetzungen und Kämpfe jeglicher Art waren ihr viel zu anstrengend.
Tatsächlich ließ Richie nicht locker: „Trotzdem, man hat den Eindruck, Esther braucht bloß mit dem Finger zu schnippen, und schon springst du. Ich hab dir schon tausendmal gesagt, dass du dir nicht mehr alles gefallen lassen darfst.“
Wie immer in solchen Augenblicken verspürte Nadine einen leichten Stich im Herzen. Wenn Richie schon den Eindruck hatte, Nadine sei zu weich und nachgiebig, weil sie auf Esthers freundliche Bitten einging... Wie enttäuscht müsste sie dann erst sein, wenn sie wüsste, was Nadine in der Schule täglich klaglos erduldete, ohne sich zu wehren!? Nein, Richie würde sie niemals verstehen können...
Mit betont gleichgültigem Gesicht schulterte sie die Leinentasche mit ihren Reitstiefeln und der Gerte. Richie seufzte: „Na gut, wenn dir so viel daran liegt... Aber versprich mir, mal ernsthaft mit Esther zu reden, dass es so nicht weitergehen kann, ja?! Übrigens, draußen ist ein Wetter wie im Frühling. Mußt du da unbedingt dieses langärmelige Hemd tragen, noch dazu ausgerechnet in schwarz? Das ist doch bestimmt viel zu warm!“
„Nein, ist es nicht! Also dann, bis nachher.“

Draußen trat Nadine erst mal kräftig gegen einen Laternenpfahl, um sich abzureagieren. Jetzt wäre es Richie doch tatsächlich fast gelungen, ihr diesen herrlichen Tag zu vermiesen! Außerdem schwitzte sie jetzt schon.

(...)