4. September (Fortsetzung)

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~ Nadine Kühleborn ~

 

"... echt voll daneben!"
"Und riechst du auch, wie's hier nach Gäulen stinkt?!"
"Hmm, 'n ganzer Misthaufen. Und aussehen wie ne Wasserleiche tut sie obendrein!“
„Absolut Panne!“
„Na klar, eh, wer schon Küüühli heißt...“
„Kühli uncool.“
Birte und Cora kicherten, und in der Bank vor ihnen krümmte sich Nadine über ihrem Chemiebuch zusammen. Mira, die neben Nadine saß, grinste. "Eh, rück mal, bist eh fett genug!" Unauffällig schubste Mira Nadines Mäppchen vom Pult. Dreiundzwanzig Köpfe drehten sich um, als das Blech lautstark auf den Boden klapperte, und dreiundzwanzig Augenpaare starrten Nadine voll Verachtung an. Birte stöhnte genervt auf: „Mein Gott, ist die Kühli gestört – sogar zu dumm, um ihren Kram festzuhalten, ist sie...“ Mit hochrotem Gesicht machte sich Nadine daran, ihre quer durch den Klassenraum verstreuten Stifte wieder einzusammeln, was ihr einen wütenden Blick der Lehrerin eintrug. Zum Glück sah die Lehrerin wenigstens nicht, wie Isabelle Nadine gezielt einen Tritt in den Hintern versetze, während diese sich vor ihrer Bank bückte, um den Füller aufzuheben. Immerhin würde auf der schwarzen Jeans kein Abdruck zu sehen sein. Nadine wusste schon, weshalb sie sich angewöhnt hatte, grundsätzlich nur noch dunkle Kleidung zu tragen...
Als sie zu ihrem Platz zurückkehrte, stellte Nadine fest, daß ihr Päckchen Fisherman´s, das vorher noch auf der Bank gelegen hatte, verschwunden war. Dafür war Mira gerade dabei, allen Umsitzenden Fisherman´s anzubieten. Genau die Sorte, die Nadine mitgebracht hatte. Triumphierend lachte sie Nadine an. „Suchst du was Bestimmtes? Übrigens, guck mal, ich hab Fisherman´s für meine Freunde. Aber du kriegst keins! Wäre ja Verschwendung, ne?!“
Eindeutig: Ein Tag, der sich, wie schon so viele seiner Vorgänger auch, größte Mühe gab, unerträglich zu werden, ehe er überhaupt begonnen hatte und dessen einziger Sinn offenbar nur darin bestand, möglichst schnell vorbei zu sein. Nadine senkte den Blick. Sie hatte längst aufgegeben, verstehen zu wollen, warum die anderen sie derart erbittert hassten. Es war halt so, und damit musste sie sich abfinden. Ebensowenig wehrte sie sich gegen die immerwährenden Demütigungen. Es wäre eh vergeblich. Alle waren gegen sie. Dreiundzwanzig gegen eine. Sie hatte nicht die geringste Chance. Gewiß, Anfangs hatte sie gelegentlich noch versucht, aufzubegehen. Hatte um sich geschlagen, wenn die anderen sie festhielten, hatte ebenfalls kränkende Dinge gesagt, wenn man sie verspottete und quälte. Aber wozu? Die anderen waren doch stets in der Überzahl. Nadines Widerstand hatte alles nur noch schlimmer gemacht. Inzwischen hatte sie resigniert. Klaglos ließ sie alles mit sich geschehen. Die Schläge und Tritte ertrug sie ebenso apathisch wie die zahllosen Beleidigungen. Meist spürte Nadine kaum noch die Schmerzen, die man ihr zufügte, und auch die Erniedrigungen  konnten sie nicht mehr berühren.... Sie war in diesen Momenten innerlich kalt, leblos, wie erstarrt. Hatte all ihre Gefühle, ihr wahres Sein, weggesperrt, versenkt an jenen fernen, dunklen, fremden Ort tief in ihrem Inneren, der weitab der Wirklichkeit lag und wo niemand sie je erreichen konnte. Nein, das war nicht sie selbst, der all das angetan wurde, das war bloß die Hülle ihrer unberührbaren Seele – eine schäbige, verachtenswerte Hülle, mit der sie nicht das Geringste zu tun haben wollte... Wie ein Automat schlich Nadine durch die Hölle ihres Alltags. Wut oder Verzweiflung kannte sie nicht. Den finsteren Abgrund sieht und fürchtet man immer nur, wenn man am Rand steht und hineinschaut, aber nicht, wenn man sich mittendrin befindet... Die anderen lachten darüber, dass Nadine alles so gleichmütig hinnahm. Nur Nadine allein wusste die Wahrheit: Ihr Stolz war zwar in diesen Momenten unsichtbar – aber sie hatte ihn nicht aufgegeben, sondern bloß versteckt, denn das war die einzige Möglichkeit, ihn davor zu schützen, zu brechen... Hier ging es nicht mehr um das Verwirklichen hehrer Ideale, sondern nur noch ums blanke Überleben und darum, in dieser Welt des Schreckens nicht den Verstand zu verlieren. Und Nadine wusste, mochte sie auch noch so hilflos und ausgeliefert erscheinen, so lange ihre Seele in der Lage war, sich hoch über alles zu erheben, mit weit ausgebreiteten Schwingen fortzufliegen, alles hinter sich zu lassen und dabei mit dem Wind um die Wette zu lachen, so lange konnte niemand ihr etwas anhaben...
"So, und jetzt kommen alle nach vorne, und zwar ordentlich und gesittet - habt ihr gehört, ordentlich und gesittet, auch du, Nadine! - damit wir den Versuch aus der Nähe anschauen können."
Nadine erhob sich, die Augen immer noch verschämt nach unten gerichtet. Der viel zu weite Kapuzenpulli schlackerte um ihren mageren Körper wie ein Segel bei Flaute. Ordentlich und gesittet. Nichts täte sie jetzt lieber! Irgend jemand trat ihr auf den Fuß. Vielleicht auch nur aus Versehen. Nadine spürte es kaum. Nur das dunkle, ferne Unbehagen irgendwo tief in ihrer Magengegend ließ sie erzittern, als ausgerechnet Mira sich direkt hinter sie stellte. Bereits im nächsten Moment wurde Nadine unsanft nach vorne gedrängt. "Eh, rüber, Kühli, fette Sau, du bist nicht aus Glas!" Isabell, gegen deren Rücken Nadine gestolpert war, fauchte sie böse an: "Sag' mal, kannst du nicht aufpassen?! Bist wohl zu blöd, oder was?!"
Überall Menschenleiber, kalt und unerbittlich, ein Labyrinth ohne Ausgang. Und Fratzen, dämonische Fratzen, hunderttausendfach gespiegelt in den verborgenen Gewässern ihrer Angst. Dazwischen schneidend scharf die Stimme der Lehrerin: "Nadine, ich warne dich! Du benimmst dich unmöglich! Egal, wo du auftauchst, überall verbreitest du Unruhe! Merkst du nicht, daß du mit deinem Verhalten die gesamte Klasse störst?! Ich kann dir nur raten, dich ab jetzt zusammenzureißen, sonst..." Cora verzog höhnisch die Mundwinkel.
Dann begann die Lehrerin unter knappen Erklärungen, eine seltsame, alchemistisch anmutende Konstruktion aus Bunsenbrennern, Reagenzgläsern und schmalen Röhrchen aufzubauen, stellte ab und zu Fragen an einzelne Schülerinnen, und während Nadine angestrengt versuchte, herauszufinden, ob die Reaktion endotherm oder exotherm ist, hörte sie direkt hinter sich Mira und Birte leise tuscheln und lachen. Unwillkürlich biß sie sich auf die Unterlippe. Gleich einem riesigen schwarzen Vogel schlang die Angst ihre gewaltigen Fittiche um sie.
"Bitte wiederhole, was ich gerade gesagt habe!"
Nadine schreckte auf. Eindeutig, sie war gemeint! Natürlich hatte sie nicht die geringste Ahnung, und wie erwartet folgte eine ausführliche Schimpftirade über ihre Faulheit, ihr notorisches Desinteresse und die penetrante Dreistigkeit, mit der es ihr gelang, jegliche Ermahnungen vollkommen zu ignorieren sowie die Auswirkungen dieses Verhaltens auf ihre nächste Mitarbeitsnote. Nadine vermochte den Worten nur mit halbem Ohr zu folgen. Welche Bedeutung konnte eine schlechte Note schon haben, verglichen mit dem Grauen, das hier überall auf sie lauerte? Ganz in ihrer Nähe flüsterte Mira kaum hörbar mit Cora, und die beiden beugten sich leicht zu Nadine hinüber. Nadines Herz flatterte hektisch gegen ihre Rippen wie ein gefangener Vogel gegen die Gitterstäbe seines Käfigs.
Hör' auf, dich selbst verrückt zu machen, ermahnte Nadine sich selbst, du bist nicht der Nabel der Welt, die zwei haben bestimmt längst ein ganz anderes Thema, wer weiß, über welchen Schwachsinn die sich inzwischen amüsieren, so wichtig bist du nun auch wieder nicht, daß jedes einzelne blöde Gespräch sich ausschließlich um deine Person dreht; vielleicht hat Mira am Wochenende irgendeinen tollen Typ kennen gelernt oder zumindest einen unglaublich schicken Minirock gekauft, oder Cora gibt gerade die neuesten Tanzstunden-Updates zum Besten, oder...
Weiter kam sie nicht, denn mit einem Mal überschlugen sich die Ereignisse. Nadine spürte eine Berührung am Hinterkopf, ruckartig drehte sie sich um und sah gerade noch eine Hand mit violetten Fingernägeln, die soeben dabei war, behutsam einen Tampon in die Kapuze ihres Pullis zu versenken. Zwar handelte es sich bei dessen blaßroter, ungleichmäßiger Färbung lediglich um Filzstiftspuren, Nadine konnte es deutlich erkennen, trotzdem schrie sie im ersten Moment entsetzt auf und stolperte nach vorne. Geistesgegenwärtig trat Isabell zur Seite, und mit voller Wucht prallte Nadine mitten in die sorgsam aufgebaute Apparatur auf dem Pult. Ein Reagenzglas splitterte, Flüssigkeit spritzte zischend über den Tisch, ein schwarzer Kasten polterte dumpf zu Boden, krachend stürzte der Bunsenbrenner um und sofort fing die Notenliste der Lehrerin Feuer, eine Stichflamme schoss empor, alle kreischten hysterisch, irgendwer drehte den Wasserhahn auf und dann öffnete sich plötzlich die Tür und der Direktor trat ein, im eleganten, schwarzen Anzug, und starrte fassungslos auf das sich ihm bietende Chaos.
Die Stunde endete für Nadine mit einem Eintrag ins Klassenbuch, und sie beschloß, heute dem restlichen Unterricht fernzubleiben. Wenn sie schon als Rebellin galt, dann wollte sie wenigstens ihren Spaß dabei haben. Ein schlechter Ruf muß sich wenigstens lohnen. Immerhin, überlegte sie, die Patrizias Unterschrift zu fälschen war für sie längst vertraute Routine, und auch irgendeine glaubwürdige Ausrede dürfte problemlos zu finden sein...
Leise schlich Nadine aus dem Schulgebäude und schlenderte durch die Straßen, bis sie den Hohenheim-Platz erreichte, eine große, quadratisch angelegte Fläche, in welche aus jeder der vier Himmelsrichtungen wie ein abgeschossener Pfeil eine Straße einmündete. Genau im Zentrum prangte auf einem monumentalen Sockel, der mitten in dem leeren Wasserbassin eines ausgeschalteten Springbrunnens stand, ein überlebensgroßes Standbild, vermutlich irgendein wichtiger Admiral oder Entdecker oder sonst eine bekannte Persönlichkeit, bisher hatte Nadine noch nie darüber nachgedacht, um wen es sich bei dieser Gestalt handeln mochte, die dort schon seit sie sich erinnern konnte majestätisch über dem alltäglichen Treiben thronte und mit erstarrten, würdevollen Gesichtszügen durch ein langes Fernrohr nach einem unbegreiflichen Schattenland in einer Peripherie aus Stein Ausschau hielt, ein Bein gestreckt, das andere leicht angewinkelt, auf dem wild gebauschten Haar einen breitkrempigen, jetzt von Großstadttauben-Exkrementen befleckten Federhut und mit der linken Hand ein scheuendes, sich andeutungsweise aufbäumendes Pferd mit prachtvollem Zaumzeug führend.
Nadine stieg über den niedrigen Brunnenrand, schleuderte schwungvoll ihren Schulranzen auf jenes Denkmal hinauf, griff nach den hervorstehenden, wellenförmigen Ornamenten, die den Sockel zierten und begann mit der katzenhaften Gewandtheit regelmäßiger Übung, hinaufzuklettern. Vorbeieilende Passanten beäugten Nadine erstaunt, ohne jedoch ihre raschen Schritte zu verlangsamen. Oben angekommen kauerte Nadine sich nieder und starrte dann, reglos wie die Statue, hinab. Unruhige Menschenmassen rollten gleich Wellen von allen Seiten her über den Platz, wogten und brandeten gegeneinander und flossen dann wieder in die verschiedenen Richtungen ab, ohne daß irgendwelche Leute zusammenstießen. Als Zuschauer konnte man beinahe glauben, sämtliche Bewegungen seien genau koordiniert und so perfekt aufeinander abgestimmt wie die von Marionetten bei einem Theaterstück. Offenbar gab sich jeder hier größte Mühe, alle unnötigen Berührungen zu vermeiden und so die tröstende Vorstellung einer unpersönlichen Harmonie aufrecht zu erhalten. Nur Nadine befand sich außerhalb. Einsam thronte sie, schwermütig und stolz zugleich, über allem, Pariya und Priesterin in einer Person. War jetzt unverwundbar. Verstoßene Königin über ein winziges, verzaubertes Reich. Betrachtete nur – unbeteiligt, so, wie andere sich einen Film im Kino anschauen und mit voyeuristischer Begierde jedes einzelne Detail in sich aufsaugen, ohne gleichzeitig irgend etwas von sich selbst preiszugeben.
Allmählich nahm das Gedränge, Geschiebe und Gestoße ab. Nadine gähnte. Sie hatte jetzt alle Zeit der Welt. Irgendwo schlug eine Kirchturmuhr. Es nieselte. Die letzten Lichtreklamen verbreiteten durch diesen trüben Sprühregen hindurch einen matten, traurigen Phosphorschein und versuchten so, lethargische Bürger zum Kauf eines Videorecorders oder eines neuen Wasserbettes zu verleiten oder sie ins Fischspezialitäten-Restaurant "Little Mermaid" zu locken. Es wurde kühler. Aus dem Schatten einer der einmündenden Gassen trat ein schlanker, bleicher Mann mit spiegelnder Brille und einem langen, weißen, wallenden, sich im Wind bauschenden und so permanent seine Konturen verändernden Mantel. Unter seiner Schirmmütze quoll ein dichter, wasserstoffgebleichter Pferdeschwanz hervor. Geschickt beklebte er eine Litfaßsäule mit einem Plakat für den in wenigen Wochen neu im Kino anlaufenden "Undine"-Film.
Dann begann es mit einem Mal richtiggehend vom Himmel herab zu schütten. Die Wolkendecke riß auseinander, und schwere Tropfen trommelten rhythmisch auf die Dächer, auf das Monument und auf das Straßenpflaster, Regen klatschte auf Kunststoffpalmen, Plastiktische und Markisen, Regen prasselte gegen staubige Schaufensterscheiben und floß in trüben Rinnsalen am Bordstein entlang, und Regen peitschte auch gnadenlos in Nadines Gesicht... Es wurde ungemütlich. Nadine warf ihre bedrohlich in allen Nähten ächzende Schultasche in das leere Becken und kletterte hinterher. Sie beschloß, zum Bahnhof zu gehen und sich in dessen Lokal ein wenig aufzuwärmen. Auch wenn das zwar vielleicht nicht gerade der angenehmsten Aufenthaltsort sein mochte, so konnte sie zumindest annehmen, daß niemand dort sie kannte und daß in der Anonymität des allgemeinen Reisebetriebs auch kein Mensch auf die Idee käme, sie neugierig anzustarren und sich zu wundern, warum ein junges Mädchen wie sie um diese Zeit nichts sinnvolleres zu tun hat, als irgendwo in einer billigen Spelunke herumzugammeln...  Niemand würde ihr ewiges Stigma, die Einsamkeit, bemerken. Nadine hustete rauh. Ihr Hals schmerzte.

Es war, als habe der Himmel seine mächtigen Schleusen geöffnet, so daß seine seit langem aufgestauten Sintfluten nun ungehindert auf die Erde hinabstürzen konnten. Nadine hatte ihre private "Arche Noah" erreicht, die für sie zwar keine mystische Heimat und erst recht nicht jenes dreistöckige, pechversiegelte Schiff, welches sie zu wundersamen, unbekannten Ufern führen sollte, darstellte, ihr aber zumindest kurzfristig Schutz vor den wild strömenden Wassermassen bot... Träge starrte sie aus der Scheibe der Bahnhofskneipe wie aus einem kranken Auge.
Menschen mit Koffern und Reisetaschen hasteten umher. Ankommende Züge. Abfahrende Züge. Leben im Sekundentakt. Ratternde Räder. Lautsprecherdurchsagen. Funken an der Oberleitung. Vollkommen parallel verlaufende Gleise, die sich erst in weiter Ferne auf einen imaginären, in Wahrheit niemals zu erreichenden Punkt hin zu vereinigen scheinen.
Lustlos rührte Nadine in ihrem viel zu wässrigen Kaffee. Am Nachbartisch unterhielt sich stockend ein Pärchen:
"Du rufst mich an, sobald du in München bist; versprochen?!"
"Hmm."
"Und wann sehn wir uns wieder?"
"Wie?"
"Ich meine, weißt du schon, wann du das nächste Mal Urlaub kriegst?"
"Nein, keine Ahnung, muß ich erst noch mit meinem Chef drüber reden."
"Ach so."
"Ja."
... In banale, nichtssagende Formeln gepreßter Weltschmerz. Die kollektive Verlassenheit, die doch jeder ganz alleine ertragen muß hat hier ihre Segel gebläht. Menschen jagen ihren aufblasbaren Träumen hinterher, getrieben von einem Fernweh, das gleichzeitig auch unstillbares Heimweh ist...
Regen prasselte monoton und gleichgültig gegen das Fenster. In der Luft stehd der Geruch nach erkaltetem Zigarettenrauch.
Nadine erinnerte sich, daß sie ausgerechnet heute Nachmittagsunterricht haben sollte und somit nicht vor siebzehn Uhr zu Hause bei Patrizia eintreffen konnte. Es war gerade mal halb elf. Sie überlegte krampfhaft, wie sie die Stunden bis dahin totschlagen sollte. Schließlich stand sie auf, zahlte - die abgehetzt wirkende Kellnerin mit dem Brandmal auf der linken Hand und dem viel zu knappen Minirock gönnte ihr nicht den Ansatz eines Lächelns, vermutlich, weil Nadine kein Trinkgeld gab - und nahm die Straßenbahn Linie 4 gen Weststadt. Ihre gesamte Kleidung fühlte sich noch immer unbehaglich feucht an.

Bunte Blätter wirbelten orientierungslos über den nassen Asphalt. Als einziger Fahrgast stieg Nadine an der Station nach der Kasernenstrasse aus und betrat zögernd den Schacht der Unterführung. Modrige, abgestandene Luft schlug ihr entgegen. Wie immer kam es ihr vor, auch wenn diese Idee vollkommen albern war, sie wußte es selbst und konnte dennoch nichts dagegen tun, als tauche sie genau in diesem Augenblick ab in eine andere, geheimnisvolle, möglicherweise bedrohliche Welt, vielleicht sogar in die Katakomben ihrer eigenen unheilvollen Seele, und erfahre so - jedes Mal aufs Neue - eine Art fremdartige Initiation, deren Ziel und Regeln sie jedoch niemals würde verstehen können. Auf dem rostigen Treppengeländer kauerte, schuppig wie ein kleiner Drache, ein Feuersalamander und verschwand blitzschnell in einer Mauerspalte, als Nadine ihn versehentlich mit der Fingerkuppe streifte. Auch sie selbst zuckte bei der Berührung unwillkürlich zusammen. Neonröhren flackerten bedrohlich
Erleichtert verließ Nadine den finsteren Korridor und stieg blinzelnd hinaus ins Helle. Unter ihren Füßen knirschte der Kies eines nur provisorisch befestigten Feldweges. Sie befand sich jetzt am Rand der Thule-Weiden, einem Gelände jenseits der Stadt, welches auf seinen vier Seiten begrenzt wurde durch Weststadt, Bahnstrecke, Industriegebiet und Autobahn und das hauptsächlich aus Disteln, Brombeergebüsch, verwildernden Schrebergärten, einigen Koppeln, brachliegenden Feldern, einer winzigen Apfelbaum-Plantage sowie dem Reiterhof "Vineto" bestand.
Dieser Reiterhof war es, den Nadine anstrebte. Das beeindruckendes Portal, ein steinerner Torbogen, in welchen man vor langer Zeit ein Wappen mit dem Motiv von vier Lilien und einem Federhut eingemeißelt hatte, beachtete Nadine kaum noch. Eilig betrat sie den gepflasterten Innenhof, um den sich halbkreisförmig mehrere Stallgebäude gruppierten. Neugierige Pferdeköpfe schauten ihr über die geöffneten Boxen-Trennwände hinweg entgegen. Ikarus, der zierliche Arabo-Haflingerwallach mit der breiten, unregelmäßigen Blesse, die seinem Gesicht einen fast schon gnomenhaften Ausdruck verlieh, polterte mit seinen eisenbeschlagenen Hufen ungeduldig und fordernd gegen die hölzerne Tür. Nadine lächelte bei seinem Anblick, und wieder einmal vermochte sie es kaum zu glauben, dass es ihr im Laufe der vergangenen Monate tatsächlich gelungen war, das Vertrauen dieses Pferdes zu gewinnen, ohne ihm dadurch jedoch seine zauberhafte, graziöse Wildheit zu rauben.
Ja, seit etwas mehr als einem halben Jahr war Ikarus nun ihr Pflegepferd, und Nadine dachte, daß jeder einzelne Tag, den sie mit Ikarus verbracht hatte, wie ein unbezahlbares Geschenk war. Sie liebte es, wie er ihr stets zur Begrüßung freundschaftlich ins Gesicht prustete, sie liebte seine aufmerksam gespitzten Ohren, wenn sie ihm irgend etwas erzählte, sie liebte den goldfarbenen Schimmer seines Fells und sein übermütiges Tänzeln, wenn sie ihn aus dem Stall führte. Jeder noch so kleine Erfolg war für sie ein Anlass zu überbordender Freude. Sie erinnerte sich, wie sie einmal auf dem Nachhauseweg durch die Thules-Weiden laut gesungen hatte vor Glück, weil es ihr an diesem Tag gelungen war, ihn in der großen Halle ganz ohne Sattel und Zaumzeug zu reiten, sogar gesprungen waren sie, und Ikarus hatte auf jede noch so kleine Hilfe, jeden Schenkeldruck, jede Gewichtsverlagerung perfekt reagiert. Aber am allerschönsten waren die Ausritte, Abends, wenn die Sonne ihre letzten Strahlen über die Welt schickte und die Unterseite der Blätter sich bereits dunkel zu verfärben begann, wenn die Tritte des Pferdes auf dem weichen Waldboden kaum zu hören waren und es würzig nach Laub und aufgebrochener Erde duftete... In solchen Momenten hatte Nadine das Gefühl, die ganze Welt sein ein geheimes Paradies, ein verwunschenes Märchenreich, allein zur Glückseligkeit ihrer Bewohner geschaffen, und sie fragte sich, wie die anderen Menschen sich so vollkommen in der schäbigen Tristesse der alltäglichen Sorgen verlieren konnten, dass sie nicht einmal eine Ahnung dieses fernen Zaubers verspürten.

 

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Sylvia

Sie saß in der Straßenbahn und wußte selbst nicht, warum. Vielleicht, weil sie es nicht mehr ausgehalten hatte, die kahlen Wände ihrer Wohnung anzustarren und zu wissen, dass sie auf diese Weise den gesamten restlichen Tag verbringen würde. Vielleicht, weil sie zumindest für kurze Zeit die Hoffnung genießen wollte, da draußen könne irgend etwas Großartiges, Wunderbares auf sie warten, ein Ereignis, das für immer ihr erbärmliches Dasein in einen Reigen wonnevoller Tage verwandeln würde...
Sie hielt ihre Handtasche fest umklammert. Auf dem Platz neben ihr lag ein vergessener Quelle-Katalog. Ihr direkt gegenüber saßen zwei junge Frauen, schöne Frauen mit langen Augenwimpern und goldblonden Haaren und makeloser Haut und tuschelten. Womöglich über sie, Sylvia, selbst? Sylvia begann, sich unbehaglich zu fühlen. Sah man ihr etwa an, wie einsam und unglücklich sie sich tief in ihrem Inneren fühlte? Trug sie ihr zermürbendes Anderssein wie ein geheimnisvolles Kainsmal auf der Stirn? Ängstlich schaute sie sich um. Gesichter schwammen durch den Nebel ihrer Furcht auf sie zu. Glückliche Gesichter. Sorglose Gesichter. Gesichter von stolzen Menschen, die um ihrer selbst Willen geliebt wurden oder die mutig genug waren, ihre Ungebundenheit zu genießen. Nur sie selbst gehörte nicht dazu. Wederliebte man sie, noch war sie stark und selbstbewusst. Oh, wie sie all die anderen Menschen um ihre selbstverständliche, unbedarfte Fröhlichkeit beneidete, um jenen Alltag voll beschaulicher, oberflächlicher Zufriedenheit, der ihr stets verwehrt war...
Mit einem Mal hatte sie das Gefühl, alle könnten durch sie hindurchblicken, bis tief in den dunkelsten, schwärzesten Abgrund ihrer Gedanken hinein... Könnten sehen, dass sie trotz aller Bemühungen nie wirklich dazugehört hatte zu jenen heiter und leutselig durch ihr Leben driftenden Menschen, dass sie sich nie in dieser Welt zu Hause gefühlt hatte, dass sie so einsam war wie eh und je und wie sie es wahrscheinlich für immer bleiben würde... Panik wallte über sie hinweg. Die Straßenbahn bog jetzt laut ratternd um eine Kurve. Rote Lilien und Trockenblumensträuße vor einer Gärtnerei. Im Schaufenster der Videothek ein Plakat mit einem brennenden Hochhaus und eines mit einem Pferd und einem jungen Mädchen im weißen Kleid am Strand. Eine moosbewachsene Statue von Atlas, der die Welt auf dem Rücken trägt. Sylvia zitterte. Sie hatte plötzlich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Schweiß stand auf ihrer Stirn. So betont lässig wie möglich erhob sie sich, und bei der nächsten Haltestelle stürmte sie nach draußen. Fort, bloß fort von hier!
Den Weg nach Hause legte sie zu Fuß zurück. Es war ihr gleichgültig, dass es regnete.

 

~ ° ~ ° ~ * ~ ° ~ ° ~

Nadine

Nadine hoffte, nicht allzu stark nach Pferden zu riechen, als sie betont lässig die Wohnungstür hinter sich ins Schloß fallen ließ. Patricia, am Küchentisch sitzend, wie üblich über einen Berg von Blättern gebeugt, schaute auf. „Na, wie war´s heute?“
„Stressig. Nervig. Wie immer halt. Scheißschule. Bäh!“
„Und gibt´s was Neues? Habt ihr die Englisch-HÜ zurückgekriegt?“
„Nee. Vielleicht nächste Woche.“
„Und sonst?“
„Naja... In Geschi haben wir´n superspannenden Film geguckt, französische Revolution und so, und Birte ist immer noch mies drauf wegen der Sache mit Lothar... Wir haben ihr noch mal erklärt, daß sie sich von dem bloß nicht irgendwelche Schuldgefühle einreden lassen soll, aber das Ganze nimmt sie halt schon heftig mit...“
Nie, das hatte Nadine sich geschworen, niemals durfte Patrizia die Wahrheit erfahren: Die Wahrheit, dass ihre Tochter, auf die sie so stolz sein wollte, ein kläglicher, erbärmlicher Versager war, ein verachteter Außenseiter, ein Schandfleck in ihrer heilen Welt...
„Lothar ist ihr Ex, ne? Ruft der immer noch jeden Tag bei ihr an?“
„Mhm. Will einfach nicht einsehen, dass es aus ist. Birte kriegt schon voll die Panik, wenn nur ihr Handy klingelt.“
Wie ein Trapezkünstler balancierte Nadine in dem feinen Gespinst ihrer Lebenslüge. Ihre Methode hatte sich bisher stets bewährt: Sie beobachtete mit voyeuristischer Neugierde alles, was um sie herum geschah, schnappte heimlich Bruchstücke aus Gesprächen auf, ergänzte diese durch Details, die sie in der Bravo gelesen hatte, und kreierte so eine heitere Geschichte alltäglicher Belanglosigkeiten, in der sie die Hauptrolle spielte und eine fröhliche, allseits beliebte Schülerin war, unbeschwert und frei von allen wirklichen Sorgen... Es fiel ihr nicht schwer, sich immer neue Episoden auszudenken. Im Gegenteil, oft genoß sie es sogar, ganz in diese Welt einzutauchen, so tief, bis sie ihr schließlich realer erschien als ihr eigenes Dasein. Sie lächelte. „Oh, du, und ich muss dir unbedingt noch was erzählen – der komische Typ, den Mira da neulich kennengelernt hat, der hat sich echt wieder bei ihr gemeldet und ihr ne SMS geschickt. Und das krasse ist, sie freut sich auch noch voll darüber! Echt heftig, oder?!“ Nadine kicherte aufgedreht. Ja, es tat so verdammt gut, auf diese Weise die Abgründe ihrer Seele verlassen zu können und zumindest für kurze Zeit teilzuhaben an einem unbekümmerten, leichtfertigen Dasein, auch wenn es niemals wirklich ihr eigenes sein würde...
„Puh, bin ich froh, dass ich nicht mehr sechzehn bin und das alles mir erspart bleibt!“ Patrizia seufzte. „Du, ich hab´ mir vorhin schon einen Salat gemacht, aber wenn du Hunger hast – im Kühlschrank steht noch ein Rest Nudelauflauf von gestern, den kannst du Dir in die Mikrowelle schieben.“
„Danke, lieber nicht.“ Nadines hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen und ihr Magen krampfte sich bereits zusammen, aber sie befürchtete, ihr Stallgeruch könne nicht länger unbemerkt bleiben. Egal. Hunger ließ sich genauso leicht ignorieren wie Schmerz, Wut oder Angst. „Wir waren über Mittag im Palm Tree, Birte und Cora und ich. Lecker überbackenes Toast mit noch mehr lecker Soße. Mann, bin ich vollgestopft!“
„Na dann... Hast du heute noch was vor? Für Ikarus und so ist´s ja wohl jetzt schon´n bisschen spät, oder?“
„Mhm. Glaub´ ich auch. Wollt´ erst mal duschen und danach lernen. Kann sein, dass wir morgen ´n Test in Bio schreiben.“
„Gute Idee. Da stehst du im Moment eh fünf, oder?“
„Ja, ja. Aber ich hab´ Dir doch versprochen, dass sich das ändert!“
„Schon O.K.“

Und Nadine wusste, während sie unter der Dusche stand und das Wasser über ihre lilienweiße Haut prasselte, dass sie es nicht über sich bringen würde, sich ihren Hausaufgaben zu widmen. Wozu unnötig oft an die Schule denken? Es reichte, dass sie morgen wieder hin musste. Das war schon schlimm genug; alles, was darüber hinausging, war unerträglich. Und wenn sie drankam in Bio? Auch egal. Nichts berührte sie mehr. Das Dasein ist ein schlechter, schäbiger Film, in dem man nun mal leider die Hauptrolle spielt. Ach, Quatsch. Ein Kaleidoskop aus tausend Filmen, und jeder bildete sich ein, die Hauptrolle zu spielen. Am besten war, dem Leben, diesem miesen Film, einfach nicht zu viel Beachtung zu schenken. Irgenwann würde es eh vorbei sein, und dann würde man dem bekackten Regisseur hoffentlich mal so richtig die Meinung sagen können, was für einen schäbigen Dreck er da verbockt hatte.
Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und starrte unentschlossen die Wand an. Ihr Zimmer war nicht besonders groß, aber hübsch eingerichtet, mit einem gelben Teppichen und mintgrünen Vorhängen und weißgestrichenen Holzmöbeln, Patricia hatte ihr dieseEinrichtung vor ein paar Jahren zu Weihnachten geschenkt, als sie fand, dass Nadine nun für ihr bisheriges Kinderzimmer endgültig zu alt war. Am Türrahmen waren mehrere Fotos von Ikarus festgepinnt. Über den Schreibtisch hatte Nadine ein Poster mit Kurdt Cobain in Überlebensgröße gehängt, I hate myself and want to die, sie hatte es erst kürzlich auf ebay ersteigert, und daneben klebten ein paar Bilder von Nick Cave, die sie mal aus einer Zeitschrift ausgeschnitten hatte. An der Decke direkt über dem Bett hing ein Filmplakat von „The Ring“.
Nadine breitete Bücher, Hefte und ein paar halbbeschriebene Blätter auf dem Schreibtisch aus. Das kreative Chaos einer fleißigen Schülerin. Griff dann in ihr Bücherregel. Zwischen ein paar alten Enid-Blyton-Bänden und Sachbüchern über Pferdehaltung zog sie Hesses „Demian“ hervor. Esther hatte ihn ihr vor wenigen Tagen geliehen.

Nadine wusste nicht, wie lange sie gelesen hatte, selbstvergesen und allem entrückt, als es plötzlich klopfte und im nächsten Augenblick Patrizia im Zimmer stand. Sofort ließ Nadine den „Demian“ unter einen Stapel aus Papier verschwinden und tat, als sei sie voll Innbrunst in die Lektüre ihres Biobuchs vertieft. Patrizia zögerte. „Du, sag mal... Ich will jetzt nicht stören, nur kurz ´ne Frage... Hast Du morgen Nachmittag schon was vor?“
Spontan dachte Nadine an Ikarus. Für morgen war gutes Wetter gemeldet, ideal für einen langen Ausritt. Sie zuckte mit den Schultern. „Weiß ich noch nicht so genau. Mira und ich wollten nach der Schule eventuell noch was zusammen machen, erst mal Englisch lernen und nachher vielleicht noch ins Palm Tree, sie ist da mit´n paar Leuten aus ihrem Favourite Chat verabredet und will nicht alleine hin.“
„Schade!“ Patrizia wirkte sichtlich enttäuscht. „Ich muß morgen Vormittag eh in die Stadt, und wenn du Zeit hättest, könnte ich dich danach von der Schule abholen... Halt zusammen was essen gehen, und anschließend gucken, ob wir irgendwo ´nen schönen Wintermantel für dich finden.“
„Nee, morgen geht´s wirklich nicht!“ Nadine fühlte sich beschissen. So sehr sie es auch genoß, in ihrer Vorstellung eine eigene kleine heile Welt zu kreieren, sie verabscheute es, Patricia anzulügen. Aber es führte kein Weg daran vorbei – sie musste unbedingt verhindern, dass Patricia sie je direkt von der Schule abholte und dabei möglicherweise sah, wie ihre Mitschülerinnen sie behandelten. „Wie wär´s denn mit übermorgen?“ erkundigte sie sich. „Da hab ich nach der fünften frei und könnte rüber zu dir ins Büro kommen.“
 „Nee, leider nicht.“ Patrizia schüttelte den Kopf. „Ausgerechnet übermorgen ist die Besprechung unserer Abteilung. Auch wenn ich, ehrlich gesagt, tausendmal lieber gemütlich mit dir durch die Stadt bummeln würde, als mir das selbstherrliche Gelaber vom Chef anzuhören... Außerdem, du willst doch bestimmt auch mal wieder raus zu Ikarus. Da warst du schon seit Tagen nicht mehr, und ich weiß, wie du dran hängst... Nee, mir zuliebe brauchst du doch nicht auf deine Hobbies zu verzichten! Wär ja noch schöner!“ Sie lachte, und Nadine fühlte sich immer schäbiger. Patrizia meinte es so gut mit ihr und hätte eine viel sympathischere, ehrlichere Tochter verdient... Und würde sich nicht jedes andere Mädchen ihres Alters über eine solch verständnisvolle Mutter freuen?! Nadine wusste, dass ihre gesamte Klasse sie um Patricia beneidete. Nur sie, Nadine, konnte so undankbar sein... Nadine hasste sich unendlich. Warum nur musste immer alles so kompliziert sein? Ihr Leben war ein unheilvoller Tanz zwischen den Flammer zahlloser Feuer, ein Irrweg durch ein Labyrinth voll schrecklicher Gefahren, und selbst die Nacht war meist keine Erholung, sondern nur eine neue Hölle, in der ihre Gedanken Funken schlugen..
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